PETER SCHRAMMEL feat. STELLA JONES

// 19. Apr 2019 //

Würden die Schrammeln heute Musik machen – es wäre bestimmt Blues“
© Peter Schrammel

Ein Ansatz, dem man absolut folgen kann. Zum einen, weil einige der Überzeugung sind, dass der Blues ohnehin in Wien erfunden worden ist.

Zum anderen, weil es außer dem Walzer kaum eine andere Musik gibt, die so typisch für diese Stadt ist wie die „Schrammeln“. Dieses raunzende, melancholische, aber auch beschwingte in dieser Art von Wienerlied hat tatsächlich was „bluesiges“.

Die Brüder Johann und Josef Schrammel, beide Geiger und Komponisten, haben 1878 gemeinsam mit einem Gitarristen eine Formation gegründet, die es mit Auftritten in Gaststätten und bei Heurigen rasch zu großer Popularität brachten. Später kam er Klarinettist Georg Dänzer dazu – das klassische „Schrammel-Quartett“ war geboren. Nun spielte man auch in den höheren Kreisen des Adels und der reichen Großbürger, Johann Strauß galt ebenso als ihr Verehrer wie Brahms und sogar Arnold Schönberg.

Peter Schrammel ist der Urenkel von Mitbegründer Johann Schrammel. Der gebürtige Vorarlberger hat die Liebe zur Musik von seinem Vater, einem Cellisten, geerbt. In der städtischen Musikschule in Bregenz erhielt er Klavier- und Cello-Unterricht, bereits mit 14 Jahren spielte er in einem Streichquartett. Wirklich Spaß hatte er aber als Pianist mit seinen eigenen Bands – Schwerpunkt Jazz.

Aber nach der Matura bog er in eine ganz andere Richtung ab, er studierte in Wien und promovierte 1969 zum „Doktor juris“.

Aber ganz ohne Musik ging es ja doch nicht. Also inskribierte er im Institut für Jazz im Konservatorium der Stadt Wien. Studienreisen führten Schrammel rund um die Welt. 1975 hatte er fürs erste genug gesehen und erlebt, er gründete seine eigene Anwaltskanzlei. Er machte sich sowohl als Strafverteidiger wie auch als Rechtsberater der Musikbranche einen Namen.

1980 heiratete er Christine Jones.

Gemeinsam starteten sie das JONESMOBILe. Auf dem eigenen Label Yedermann Productions erschien im Jahr darauf die erste LP, mit Musikern an Bord wie Lee Harper, Fritz Pauer, Charly Ratzer, Hans Salomon, Richard Österreicher uva., also die Spitzen der heimischen Szene.

Kein Wunder, denn Christine Jones hatte sich bereits internationalen Ruf erarbeitet, mit Stars wie Duke Ellington, Dexter Gordon und Kenny Clarke – um nur einige zu nennen – zusammengespielt. Ihre Karriere begann in Fatty Georges legendärem Saloon in Wien, hier entdeckte Christine Zacher, wie sie mit ledigem Namen hieß, den Blues. Entdeckt wurde sie bei einem Auftritt beim Jazzfestival in Prag von Albert Mangelsdorff, der das „Mädchen aus Wien“ dem Produzenten Host Lippmann empfahl. 1965 erschien ihre erste Platte „Christine – Spirituals, Folk Songs, Blues“ – 16 überwiegend eigene Songs, klassischer Blues, ganz pur eingespielt, nur ihre Stimme und ihre Gitarre.

Beim Zusammenstellen des heutigen „Schrammel-Songbooks“ wurde rasch klar, dass ein großer Teil davon dazu gehört. Und dass sie niemand anderer besser interpretieren kann als ihre Tochter Stella Jones, die ja mittlerweile auch zu den großartigsten Sängerinnen in unseren Breiten zählt. Sie hat u.a. mit Gloria Gaynor, Chaka Khan, Omara Portuondo bis hin zu den Größen der heimischen Szene gearbeitet und zeichnet ebenso für großartige Eigenproduktionen verantwortlich.

Dazu Klassiker aus dem Repertoire von JONESMOBILe und Nummern von Hermann Posch  – das ergibt den „Peter Schrammel Blues“ anno 2019.
(Text von Alfred Pulletz)

Besetzung:

Peter Schrammel – klavier, piano
Stella Jones – vocals
Hermann Posch – gitarren, vocals
Paul Gritsch – saxofon
Peter Strutzenberger – bass
Lennie Dixon – drums

Tontechnik & Produktion – Peter Strutzenberger
Aufgenommen in der Sargfabrik im März 2019

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